Smartbeamer für brillantes Streaming und Gaming

BenQ TK860i im Test

25.7.2023 von Roland Seibt

BenQ ist bekannt für tolle Preisleistungen von anspruchsvollen Projektoren. Der TK860i legt jetzt eine noch bessere, lichtstarke HDR-Filmwiedergabe hin als sein Vorgänger. Der mitgelieferte Android-TV 11 Stick ist smarter, Games können gar mit 240 fps gezockt werden.

ca. 5:00 Min
Testbericht
VG Wort Pixel
BenQ TK860i im Test
Die dunkle Front macht einen hochwertigen Eindruck
© BenQ

Pro

  • schön helles Bild
  • Android-TV 11 Stick integriert
  • gut voreingestellte Farben
  • 1,3-facher Zoom, 10% Lensshift
  • starker Sound

Contra

  • Vollfarben nicht maximal brillant
  • mäßiger Schwarzwert

Fazit

Der Allrounder TK860i liefert eine deutlich höhere Weiß-Leistung als sein Heimkino-Pendant W2710i, dafür nicht ganz so voluminöse HDR-Farben. Er ist also bestens für nicht ganz so stockfinstere Wohnräume oder größere Leinwände geeignet. Das Streaming von Smart-TV gelingt prächtig dank des integrierten Android-TV-Sticks, und auch bei Gaming und Präsentationen macht der Beamer eine gute Figur. Testurteil: gut (512 von 650 Punkten)


79,0%

BenQ führte jüngst gleich vier neue Projektoren ein, die allesamt auf derselben Plattform basieren, sich aber in der Smartheit unterscheiden und für unterschiedliche Zielgruppen konzipiert wurden. Der hier getestete TK860i läuft wie sein 100 Euro günstigerer Bruder TK860 unter „Home Entertainment“, während der W2710i (hier unser Test) bzw. W2710 in die Rubrik „CinePrime“ fallen, also höhere Ansprüche an die Neutralität von Farben erfüllen sollen.

Das „i“ am Ende der Produktbezeichnung zeigt an, ob der Smart-TV-Stick QS02 mitgeliefert wird, oder nicht. Der macht aus dem einfachen Bildwerfer ein Streamingsystem, das Zugriff auf die Apps der Android-Welt besitzt – auch inklusive Netflix, wo man mit Lizenzen für derartige Geräte eigentlich geizt.

Alle vier Beamer sehen sich bis auf die Farbe der Frontblende zum Verwechseln ähnlich und besitzen auch vergleichbare Gehäuseabmessungen, Optik, Lampe und DLP-Chip. Der Hauptunterschied zwischen „TK“ und „W“ liegt im Farbrad. Bei Einchip DLP-Beamern werden ja die Grundfarben zeitlich abwechselnd produziert. Das weiße Licht der Lampe durchleuchtet dazu ein Farbrad, das Filter besitzt.

Schon bei der CinePrime-Serie setzt BenQ aus softes „BrillantColor“, was die gemischten Übergangsfarben der Drehsegmente zur Maximierung des Weißpegels eingesetzt. Einen richtigen Boost gibt es, wenn zusätzliche transparente Segmente in das Farbrad eingearbeitet wurden. Bei unseren Tests zeigte sich, dass der W2710 ein „RGBRGB“-Farbrad besitzt, während der TK860i auf „RWGBWG“ setzt.

BenQ TK860i im Test: Fernbedienungen
Die Beamer-Fernbedienung ist beleuchtet, die vom Android-Stick nicht
© BenQ

Durch zwei Weißsegmente und zusätzlichen Fokus auf die hellste Farben Grün konnten wir dem TK860i in unserem Messungen 50% höhere Lichtstärken bei Graumessungen entlocken. Der Hersteller spricht von 3300 Lumen, auf HDTV-Farben kalibriert brachte er in unserem Labor stolze 1900 hervor, in „Hell“ sind es über 2600 bei einem tatsächlich vertretbaren, leichten Grünstich.

Im Vergleich zum W2710 verzichtet der TK860i auf den DCI-Kinofilter, die isf-Kalibrationsoption sowie den Filmmakermodus. Im vorangegangenen Test stellt sich allerdings heraus, dass man den Kinofilter für normales HDTV überhaupt nicht benötigt, und dass sein Zuschalten für HDR mit enormen Einbußen an Lichtleistung einher geht, die für hochdynamsiche Filme nicht unbedingt förderlich ist.

Schauen wir uns aber die Spektralanalysen der Lichtausbeute beider Modelle an erkennen wir, dass der W2710i auch ungefiltert eine leichte Delle in Gelb besitzt, die Rot und Grün etwas satter werden lassen, was sich positiv auf die HDR-Farben auswirkt. Auch auf diese Nuance verzichtet der TK860i für mehr Lichtstärke.

Insgesamt geht das zweigleisige Konzept von BenQ gut auf, denn ein Kompromiss beider Ansätze wäre deutlich teurer geworden. Cineasten setzen den W2710 im dunklen Kino ein, Entertainer streamen und spielen im Wohnzimmer auf ihren Konsolen mit den erstaunlich brillanten Großbildern des TK860i.

BenQ TK860i im Test: Anschlüsse
Drei HDMI-Anschlüsse und ein USB-Mediaplayer stehen zur Auswahl
© BenQ

Video-on-demand ist mit dabei Und da wären wir auch schon beim integrierten Streaming. Das Gerät beinhaltet für 100 Euro Aufpreis zum kleinen Bruder den Streaming-Stick QS02, der komplett ins Gehäuse integriert wird. Es entsteht ein ausgewachsenes Android-TV-11, das sogar eine Netflix-Option, Apple-TV+ und Airplay bietet.

Das 2-GHz schnelle Quadcoresystem reagiert schnell auf Menübefehle und ließ uns nach der Installation unserer Lieblings-Apps noch 9 GB Rom offen. Die zum Stick gehörende, smarte Fernbedienung ist nicht wie das andere mitgelieferte Exemplar beleuchtet, dafür besitzt sie ein Mikrofon zur Sprachsteuerung. Alle Annehmlichkeiten der Googlewelt können so mit dem System genutzt werden.

Da der HDMI-Stick als Bonus konzipiert wurde, gelingt das Zusammenführen des eigentlichen Handlings und der Einstellfunktionen der Beameroptionen mit der Bedienung von Android-TV nicht immer reibungslos. Wir hätten uns gewünscht, auf eine der beiden Fernbedienungen komplett verzichten zu können, das gelingt aber nur ansatzweise. Dank der neuen Hardware des Beamers gelingt aber beispielsweise die Zusammenarbeit mit einem AV-Receiver besser als beim Vorgänger TK850i.

Der Android-TV-Stick QS02 kommt in den vierten, internen HDMI-Slot
Der Android-TV-Stick QS02 kommt in den vierten, internen HDMI-Slot
© BenQ

So wurden beispielsweise die HDMI-Buchsen um ein Exemplar ergänzt und mit e-ARC ausgestattet. Der erweiterte Audio-Return-Channel ist datentechnisch dazu in der Lage Signale mit 3D-Sound an einen vorgeschalteten Verstärker oder Soundbar zu übermitteln. Die maximale Pixelrate verbleibt bei 18 Gbit/s, und als einzige Innovation wurde das automatische Umschalten in den Gamemode von der aktuellen HDMI-Definition adaptiert.

Das für „Entertainment“ spezifizierte Gerät hat dann auch im Gamemodus einiges dazugelernt. Die Latenzen sind beispielsweise mit unter 20 ms jetzt durchaus bespielbar, dabei geht es mit Full-HD@120fps noch flotter als früher. Der BenQ bietet laut Spezifikation sogar 240 fps an, doch da spielte unser Messgerät zur Latenzerfassung nicht mit. Variable Bildraten gibt es bei einem DLP-Gerät, das seine Farben mit einem mechanischen Rad synchronisieren muss, leider per se nicht.

BenQ TK860i im Test: Screenshot Einstellungen
Die Einstellungen zur Bildoptimierung besitzen überaus professionelle Optionen
© Roland Seibt

Mechanik und Elektronik

Was die Optik betrifft, setzt BenQ auf bewährte Technik. Wie bei den Vorgängern kommt ein 1,3-facher mechanischer Zoom zum Einsatz (Projektionsfaktor 1,13-1,44), der um einen vertikalen 10% Lensshift ergänzt wird. Die Regler lassen sich leicht bedienen und arbeiten präzise. Im Lichtweg befindet sich eine dynamische Blende, und die smarte Anpassung der Lampenleistung funktioniert in Kombination mehr als ordentlich.

Zudem sind die Optionen zur Kalibration und Bildverbesserung in der Preisklasse führend, hier wurde im Vergleich zur „CinePrime“-Serie kein Algorithmus mutwillig weggelassen. Durch den neuen Bildchip gewinnt nicht nur die Bewegungskompensation an Fahrt, vor allem gibt es jetzt eine deutlich intelligentere Verarbeitung von HDR-Signalen, die der Vorgänger noch nicht kannte.

Man darf den Entwicklern von BenQ wieder das Kompliment machen, dass die Qualität der Wiedergabe wunderbar auf die Fähigkeiten der Lichtmaschine zugeschnitten wurde. Klassische Messungen sehen farblich sehr schön aus, allein die Pegel voll gesättigter Töne fallen, bedingt durch das Systemkonzept, ordentlich gegenüber ihrem Soll ab.

Wir gehen einmal davon aus, dass BenQ stets die neuesten, weiterentwickelten DLP-Chips von Texas Instruments verwendet, und auch die Optik in der Modellpflege optimiert. Dennoch erschien es uns, dass die neuen Vertreter ihrer Zunft etwas weniger detailliert als ihre Urväter feinste Inhalte strukturieren. Selbst profane Messwerte wie Kontrast und linsenbedingte Farbsäume hatten wir etwas besser in Erinnerung.

Da es sich, wie stets bei 4k DLP-Geräten üblich, ja um XPR-Pixelshift handelt, also das Erzeugen von Ultra-HD-Auflösung durch Schwingen eines Full-HD-Chips, kann eh nicht jeder Bildpunkt separiert werden, jedoch können teurere Vertreter dieser Zunft noch schärfer aussehen.

Online-Siegel
gut
Zusätzliche Infos
Getestet durch die Redaktion connect
Juli 2023

Insgesamt ist die Leistung dieses BenQ vor allem was die Brillanz bei dazugehöriger Farbabstimmung betrifft, überaus ansehnlich. Zum Alleinunterhalter macht das Gerät dann ein überraschend satter und wohlklingender Sound. Der besitzt zwar keinerlei definierte Räumlichkeit oder Basisbreite, geht aber für viele Einsatzzwecke durchaus in Ordnung – im Gegensatz zu dem, was sich viele Mitbewerber trauen, Klang zu nennen. Beeinträchtigt wird das Szenarion durch den gut hörbaren Lüfter, der im höchsten Lampenmodus jede Menge Abwärme aus dem Beamer transportieren muss. Das klappt nicht unbedingt dezent und kühl.

Fazit

Der Allrounder TK860i liefert eine deutlich höhere Weiß-Leistung als sein Heimkino-Pendant W2710i, dafür nicht ganz so voluminöse HDR-Farben. Er ist also bestens für nicht ganz so stockfinstere Wohnräume oder größere Leinwände geeignet. Das Streaming von Smart-TV gelingt prächtig dank des integrierten Android-TV-Sticks, und auch bei Gaming und Präsentationen macht der Beamer eine gute Figur.

Aus dem Messlabor

BenQ TK860i im Test: Messlabor HDR
Mit gut 2000 kalibrierten Lumen und großer DCI-Farbraumabdeckung ist HDR beeindruckend
© Roland Seibt
BenQ TK860i im Test: Messlabor HDTV
Das HD-Bild ist sehr hell und gut scharf, die Farben erstklassig abgestimmt. Nur Vollfarben besitzen zu wenig Leuchtdichte.
© Roland Seibt

Technische Daten & Laborwerte: BenQ TK860i

Vollbildansicht
Merkmal Wert
Hersteller BenQ
Modell TK860i
Preis 1.800 Euro
Internet www.benq.de
Klasse 4k-Projektor
MESSERGEBNISSE
Abmessungen in cm (B × H x T) 38 × 13 × 27 cm
Gewicht 4,2 kg
Auflösung /Seitenverhältnis 3840 × 2160 / 16:9
Farbraumabdeckung HDTV/ HDR 100% / 69%
Kontrast ISO/ in-Bild /dynamisch (:1) 188 / 357 / 406
Schwarzwert /Weiß- /Weiß-Eco 3,7 / 1511 / 856 lm
Gamma /Abweichung zur Idealkurve 2,27 / 4%
Farbtemp. kalibriert /Abweichung 6840 K / 2,6%
Latenz Film- / Gamemodus 144 / 19 ms
Abstand pro Meter Bildbreite / Zoom 1,12 - 1,44 m / 1,29
Verbrauch /Film /Eco/ Standby 307 / 217 / 0,3 W
ANSCHLÜSSE
HDMI / Komponente / VGA 3 / 0 / 0
USB / Netzwerk 2 (1x3.0) / WLAN+BT
Besonderheiten 12V-Trigger, Audio-Out opt. + analog, RS232, Service
AUSSTATTUNG
HDR HDR10+, HLG
3D / Brillen dabei / 2D → 3D DLP-Link / – / –
Fernbedienung 2, 1x beleuchtet
Bewegungskompensation +
HDMI-CEC (automatische Steuerung) +
RGB-Offset / -Gain + / + (+11-Punkt)
Farbraumkorrektur +
Kontrast-/ Schärfeautomatik + / –
Lampe regelbar / Irisblende auch autom. / +
Lensshift h. / v. / motorisiert +10% / – / –
Motorzoom / Motorfokus – / –
Voreinstellungen / Speicher 7 / 6
Variabler Bildbeschnitt +
Zubehör Objektivkappe, Mediastick QS02
Besonderheiten 23-240fps, RWGBWG-Farbrad, 2x 5-Watt-Lautsprecher
Einstellung Farbsättigung / Tint + / +
Einstellung Schärfe / Gamma + / +
Farbtemperaturvorwahl +

Testergebnisse: BenQ TK860i

Vollbildansicht
Kategire Punkte
BILDQUALITÄT max. Punkte 342 von 435
SD / HDTV (75) 60
UHD (HDR) (100) 81
Kontrast (65) 43
Schärfe (45) 38
Geometrie/3D (60) 43
Farbdarstellung (45) 37
Bildruhe (45) 40
AUSSTATTUNG 79 von 100
Anschlüsse / Smart-TV (50) 45
Projektionsoptik (20) 11
Sonstige Extras (30) 23
BEDIENUNG 49 von 55
Einstellmöglichkeiten (27) 25
Ergonomie (8) 7
Bildsteuerung (6) 6
Fernbedienung (14) 11
VERARBEITUNG 42 von 60
Anmutung (20) 17
Material (40) 25
GESAMT 512 von 650
Connect-URTEIL gut 79%

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